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16.11.2009

Vorarlberger Industrie: leichte Verbesserung, aber Lage weiterhin noch schwierig

Konjunkturumfrage der IV Vorarlberg für das 3. Quartal 2009

Erstmals seit einem Jahr ist der Geschäftsklimaindex - das ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - mit 0,6% wieder leicht positiv. Der Blick auf die verschiedenen Branchen und einzelne Ergebnisse trüben das Bild allerdings wieder. „Die Lage ist für die Unternehmen weiterhin noch schwierig, für eine Jubelstimmung oder für eine Entwarnung ist es noch zu früh, denn wir bewegen uns nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau", so IV-Geschäftsführerin Mag. Michaela Wagner zu den Ergebnissen der Konjunkturumfrage im dritten Quartal. An der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Vorarlberg und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Vorarlberg haben sich 49 Unternehmen mit insgesamt 21.714 Beschäftigten beteiligt.

 

 „Euphorie ist fehl am Platz, von einer wirtschaftlichen Erholung kann noch keine Rede sein, wenn man sich die Ergebnisse im Detail ansieht. Wir bewegen uns auf einem wesentlich tieferen Niveau und sind von früheren Ergebnissen noch weit entfernt. Es kann noch Jahre dauern, bis die einzelnen Branchen das Niveau von 2008 wieder erreicht haben", so die IV-Geschäftsführerin.

 

Völlig kontraproduktiv seien gerade jetzt überzogene Lohnforderungen bei den Kollektivvertragsverhandlungen und eine unflexible Haltung hinsichtlich der Durchrechnungszeiten für Überstunden. „Wir müssen nun alles daran setzen, diese zögerlich einsetzende Trendwende so gut wie möglich zu unterstützen bzw. zu forcieren und nicht schon gleich zu Beginn die ersten positiven Boten künstlich zu gefährden", so Wagner.

 

Deutlich verbessert hat sich in der aktuellen Konjunkturumfrage die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage gegenüber dem letzten Quartal: 12% der befragten Unternehmen bezeichnen sie als gut, 74% als durchschnittlich, aber immerhin 14% noch als schlecht. In sechs Monaten erwartet sich die Vorarlberger Industrie eine weitere Stabilisierung der Geschäftslage (11% gut, 81% durchschnittlich, 8% ungünstiger).

 

Sehr differenziert ist das Bild nach wie vor beim Auftragsbestand und bei den Exporten. Der derzeitige Auftragsbestand wird von jeweils 17% als gut und schlecht beurteilt. 24% bewerten die Auslandsaufträge als gut und 18% als schlecht. Große Bedenken gibt es bei der Produktionstätigkeit in drei Monaten: 30% erwarten eine abnehmende Produktionstätigkeit, 57% eine etwa gleich bleibende und 13% eine steigende. Nach wie vor negativ werden die Verkaufspreise in drei Monaten bewertet: 36% glauben, daß sie sinken werden und nur 2% rechnen damit, daß sie bessere Verkaufspreise erzielen werden können. Entspannung gibt es im Vergleich zum letzten Quartal beim Beschäftigtenstand in drei Monaten: 72% wollen ihren Mitarbeiterstand halten, 13% wollen ihn ausbauen und 15% rechnen mit weniger Beschäftigten.

 

Die derzeitige Ertragssituation wird deutlich besser als im letzten Quartal bewertet: 41% schätzen sie als gut ein, 30% als durchschnittlich und immerhin 29% als schlecht. 80% der Befragten glauben, daß die Ertragssituation in sechs Monaten gleich bleiben wird, 8% gehen von einer besseren und 11% von einer schlechteren Ertragssituation in einem halben Jahr aus.

 

Die einzelnen Branchen

„Kein Licht am Ende des Tunnels" ist in der Maschinen-/Metallindustrie zu sehen. Kein einziges Unternehmen bezeichnet die aktuelle Geschäftslage als gut. 78 % antworteten, daß sie durchschnittlich und 22% sagen, daß sie schlecht ist. Die Geschäftslage in sechs Monaten soll sich gemäß Umfrage auf demselben Niveau bewegen. Besorgniserregend ist die Produktionstätigkeit in drei Monaten. 67% Prozent nehmen an, daß diese abnehmen wird, nur 3% glauben, daß sie steigen könnte. Im Vergleich zum Vorquartal hat sich hier der „Saldo aus gut und schlecht" um 44% verschlechtert und liegt jetzt bei minus 64%. 21% aller Maschinen- und Metallbetriebe glauben deshalb, daß der Beschäftigtenstand in den nächsten drei Monaten abnehmen wird, nur 1% denkt an eine Aufstockung ihrer Belegschaft. Die derzeitige Ertragssituation wird von 68% als gut bezeichnet, von 27% als schlecht. Auch in sechs Monaten wird sie auf ähnlichem Niveau erwartet.

 

Etwas besser ist die Nahrungs- und Genussmittelindustrie aufgestellt. 19% der befragten Unternehmen sprechen von einer guten, 81% von einer durchschnittlichen Geschäftslage. 5% erwarten sogar noch eine günstigere Geschäftslage in sechs Monaten, 95% gehen von einer etwa gleich bleibenden Situation aus. Was allerdings die Ertragssituation in 6 Monaten betrifft, glaubt fast ein Drittel (32%) an eine Verschlechterung, nur 5% können sich vorstellen, daß sich diese verbessern wird. Und auch hinsichtlich der Verkaufspreise in drei Monaten ist von Optimismus nichts zu spüren. 39% glauben, daß sie fallen werden. Besser sieht es hinsichtlich der Beschäftigung aus: Immerhin gehen 30% der Betriebe in diesem Sektor davon aus, dass sie in drei Monaten mehr Mitarbeiter haben werden.

 

Die Aussichten in der Textilindustrie sind weiter trüb, denn die meisten Werte wurden deutlich negativ beantwortet. Am Markantesten ist die Einschätzung der Auslandsaufträge: 57% bewerten diese als schlecht und 43% als durchschnittlich. 28% dieser Branche kämpfen mit einer aktuell schlechten Geschäftslage. Noch kritischer sieht es bei der derzeitigen Ertragssituation aus: 56% bewerten sie als schlecht. Zur Ertragssituation in einem halben Jahr meinen 70%, daß sie etwa gleich bleiben wird, 26%, daß sie noch schlechter wird. Dementsprechend glauben 26%, daß der Mitarbeiterstand in drei Monaten abnehmen wird, 74% wollen ihn halten.

 

Etwas besser geht es derzeit der Elektroindustrie. In dieser Branche sagen 49%, dass die derzeitige Geschäftslage gut und 47% geben an, dass sie durchschnittlich ist. Auch die Ertragssituation in sechs Monaten wird optimistisch gesehen: 42% gehen davon aus, daß die Erträge im nächsten halben Jahr steigen werden, für 58% der Befragten sieht es so aus, als würden sie in etwa gleich bleiben. Verschlechtert haben sich die Erwartungen der Geschäftslage in einem halben Jahr. Den 42% der Unternehmen, die eine gute Geschäftslage in sechs Monaten erwarten, stehen 27% mit einer schlechten Erwartungshaltung gegenüber. Erfreulich ist die Entwicklung im Arbeitsplatzbereich. Kein einziges Unternehmen gibt an, in den nächsten drei Monaten Mitarbeiter abbauen zu müssen. Ganz im Gegenteil: 49% sagen sogar, dass ihre Beschäftigtenzahlen steigen werden. Unsicherheit gibt es in Bezug auf die erwarteten Verkaufspreise. 18% glauben, dass diese in den nächsten drei Monten fallen werden.

 


Zur Befragungsmethode:

Bei der Konjunkturumfrage kommt - ähnlich wie beim bekannten deutschen IFO-Konjunkturklimaindex - folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien. Dann wird der konjunktursensible „Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.



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