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[ 21.07.2009 ]

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Vorarlberger Industrie im 2. Qu. 2009

Konjunkturbarometer stagniert auf sehr niedrigem Niveau - Erholung lässt auf sich warten

 „Von der Finanz- und Wirtschaftskrise sind nahezu alle Industriezweige betroffen - nur der Grad sowie der Zeitpunkt der Betroffenheit variieren", so IV-Präsident Ing. Hubert Bertsch einleitend zu den Ergebnissen der Konjunkturumfrage im zweiten Quartal 2009. Eine Erholung der heimischen Wirtschaft sei noch nicht in Sicht, der Konjunkturbarometer stagniere auf sehr niedrigem Niveau.

  

50 Unternehmen mit insgesamt 20.933 Beschäftigen haben sich an der aktuellen Konjunkturumfrage (2. Quartal 2009) der Industriellenvereinigung Vorarlberg und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Vorarlberg beteiligt.

 

„Die Wirtschaftsentwicklung heimischer Industriebetriebe ist nach wie vor schwach. Dies belegt insbesondere die Entwicklung des Geschäftsklimaindex bzw. Konjunkturbarometer, der sich im 2. Quartal 2009 gegenüber dem vorangegangen Quartal nicht verbessert hat und noch immer bei -14,9% liegt. Vor einem Jahr lag dieser Wert, der den Mittelwert aus aktueller Geschäftslage und der erwarteten Geschäftslage in 6 Monaten darstellt, bei knapp 25%," so IV-Geschäftsführerin Mag. Michaela Wagner.

 

Mehr als ein Drittel der Vorarlberger Industriebetriebe (36%) bewertet die aktuelle Geschäftslage als schlecht, 57% als durchschnittlich und nur 6% als gut. Dementsprechend hat sich der Saldowert  aus „gut und schlecht" um mehr als das Doppelte verschlechtert. Ein ähnliches Bild zeigt auch die Ertragssituation: 41% der Betriebe sind mit den Erträgen nicht zufrieden, ein Drittel (33%) bewertet sie als durchschnittlich und immerhin 26% als gut. „Besonders bei den Erträgen gab es eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem ersten Quartal. Es wird deutlich, dass die Krise voll eingeschlagen hat und der Industrie stark zu schaffen macht," kommentiert Wagner die aktuelle Situation.

 

Skepsis bei Verkaufspreisentwicklung

Herausstechend ist das Ergebnis bei den Verkaufspreisen: 40% erwarten fallende Preise, 57% glauben, die Preise halten zu können. An eine Steigerung der Verkaufspreise in den nächsten 3 Monaten glaubt so gut wie niemand (nur 4%). Ähnliche Werte wie im letzten Quartal gibt es bei Auftragsbestand und Auslandsaufträgen. Der aktuelle Auftragsbestand wird von 37% der Industriebetriebe als schlecht bezeichnet, die Exporte von 39%. Immerhin 13% verzeichnen einen guten Auftragsbestand und 11% eine erfreuliche Exporttätigkeit.

 

Auch wenn die heimische Industrie sich mit allen Mitteln bemüht, ihre Belegschaft zu halten und Kündigungen zu vermeiden, rechnen 28% der befragten Unternehmen mit rückläufigen Mitarbeiterzahlen. Der Großteil der Unternehmen (72%) geht allerdings davon aus, dass sie auch in 3 Monaten noch den selben Mitarbeiterstab haben werden wie heute.

 

Kaum Hoffnung auf kurzfristige Besserung

Wenn man die Einschätzungen der Geschäftslage in einem halben Jahr betrachtet, so wird deutlich, dass die heimischen Industriebetriebe nicht davon ausgehen, dass sich die Situation ändern wird. 82% meinen, dass die Geschäftslage in 6 Monaten etwa gleich bleibt, jeweils 9% glauben an eine Verbesserung bzw. eine Verschlechterung. Auch die Aussichten bezüglich der weiteren Entwicklung im Ertragsbereich dämpfen die Hoffnung auf einen Aufschwung. Genau Dreiviertel (75%) aller Industriebetriebe gehen davon aus, dass die Ertragssituation auch in 6 Monaten noch in etwa gleich sein wird wie heute. Nur 10% glauben an eine Verbesserung, 15% gehen sogar von einer Verschlechterung aus. „Zwar haben sich die Saldobereiche beider Indikatoren gegenüber dem vorangegangenen Quartal verbessert, allerdings wird deutlich, dass sich unsere Industrie auf weitere schwierige Monate einstellt - an eine Verbesserung in naher Zukunft glaubt die Mehrheit jedenfalls nicht," fasst Wagner die Ergebnisse zusammen.

 

Die Ergebnisse der einzelnen Branchen

„Betroffen von der Krise sind generell alle Industriezweige, allerdings in unterschiedlicher Intensität. In manchen Betrieben kommt die Wirtschaftskrise zeitverzögert an," so der Geschäftsführer der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Mag. Michael Amann. Die Vorarlberger Maschinen- und Metallindustrie spürt die wirtschaftlichen Turbulenzen ebenfalls sehr deutlich: Mehr als ein Viertel (27%) bezeichnet die aktuelle Geschäftslage als schlecht, 71% als durchschnittlich und nur 2% als gut. 91% gehen davon aus, dass die Geschäftslage auch in 6 Monaten gleich bleiben wird. Große Einbrüche werden in den kommenden 3 Monaten beim Verkaufspreis erwartet: zwei Drittel der Befragten (67%) glauben an fallende, nur 33% an zumindest gleich bleibende Preise im nächsten Quartal. Diese Einschätzungen haben auch Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahlen: 39% der befragten Maschinen- und Metallbetriebe rechnen mit einem Rückgang des Beschäftigtenstandes. Die aktuelle Ertragssituation wird von 30% der Betriebe als schlecht bezeichnet, für mehr als die Hälfte (51%) ist sie noch in Ordnung. 88% glauben, dass die Ertragssituation in 6 Monaten etwa gleich bleiben wird.

 

„Deutlich besser ist die Situation in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Allerdings zeigen die Umfrageergebnisse ganz klar, dass eine gewisse Sorge über die zukünftige Entwicklung vorherrscht, denn die Branche rechnet mit einer deutlichen Verschlechterung der Situation," so Amann. Jeweils 14% sind mit der aktuellen Geschäftslage sowie mit der derzeitigen Ertragssituation zufrieden und beurteilen sie als gut. 86% bzw. 81% bezeichnen sie als durchschnittlich. Diese durchaus positiven Werte relativieren sich, wenn man berücksichtigt, dass sich der Saldowert aus „gut und schlecht" bei der derzeitigen Geschäftslage um 27 Prozentpunkte gegenüber dem ersten Quartal verschlechtert hat. Zudem glaubt niemand, dass sich die Situation in 6 Monaten verbessern wird. 38% gehen davon aus, dass die Geschäftslage in einem halben Jahr ungünstiger sein wird als heute. 62% glauben, dass sie zumindest in etwa gleich bleiben könnte. Hinsichtlich der Ertragssituation in 6 Monaten sieht es ähnlich aus: ein Drittel (32%) rechnet mit einer Verschlechterung, 68% hoffen, dass sie in etwa gleich bleiben wird. Bezüglich der aktuellen Auftragslage sowie der Auslandsaufträge herrscht große Zufriedenheit: jeweils 44% bezeichnen sie als gut, kein einziges Unternehmen beschreibt sie als schlecht. Die vorsichtigen Erwartungen für die nächsten Monate spiegeln sich in den Beschäftigungszahlen: So geben 32% an, in den nächsten 3 Monaten weniger MitarbeiterInnen beschäftigen zu können.

 

„Die Vorarlberger Textilindustrie sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Die Saldowerte sind stark negativ und es gibt kaum positive Antworten," erläutert IV-Geschäftsführerin Mag. Michaela Wagner die Umfrageergebnisse. Mehr als die Hälfte aller befragten Textilindustriebetriebe beurteilen die derzeitige Geschäftslage (54%) als auch die momentane Ertragssituation (58%) als schlecht. Bei beiden Parametern hat kein einziges Unternehmen positiv geantwortet. Von einer etwa gleich bleibenden (negativen) Geschäftssituation in einem halben Jahr sind alle Betriebe überzeugt. Hinsichtlich der Ertragssituation gehen sogar 24% davon aus, dass sie in den nächsten 6 Monaten sogar noch schlechter werden wird, 2% glauben an eine Verbesserung. Besonders der Auftragsbestand hat sich im zweiten Quartal deutlich verschlechtert. Der Saldo von „gut und schlecht" ist um 42 Prozentpunkte zurück gegangen. 62% aller befragten Betriebe geben an, dass die Auftragslage schlecht sei. Auch der derzeitige Bestand an Auslandsaufträgen lässt für 60% der Textilunternehmen zu wünschen übrig. Folglich geht ein Viertel der befragten Unternehmen davon aus, MitarbeiterInnen abbauen zu müssen.

Schwer von der Krise betroffen ist zurzeit die heimische Elektroindustrie. „Noch vor einem Jahr war die Elektroindustrie der Klassenprimus - damals berichtete kein einziges Unternehmen von einer schlechten Geschäftslage. 12 Monate später hat sich die Situation drastisch geändert," berichtet Wagner. 91% aller befragten Elektrobetriebe geben an, dass die derzeitige Geschäftslage, der aktuelle Auftragsbestand sowie die Exporte schlecht seien. Keines der befragten Unternehmen bewertet einen dieser drei Parameter positiv bzw. gut. Auch die derzeitige Ertragssituation ist nicht sehr erfreulich: 73% der Befragten bezeichnen sie als schlecht, 27% als durchschnittlich. Auch in dieser Branche ist Mitarbeiterreduktion in den nächsten 3 Monaten ein Thema: 18% gehen davon aus, dass sie ihr Team reduzieren müssen, 82% hoffen, die Arbeitsplätze erhalten zu können. Hinsichtlich der Geschäftslage bzw. der Ertragssituation in den nächsten 6 Monaten erwarten die befragten Unternehmen eine positivere Situation: jeweils 44% erwarten eine Verbesserung von Geschäftslage und Ertragslage, 56% denken an eine in etwa gleich bleibende Situation.

 

Gelebte Solidarität akzeptieren

„Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass alle Industriezweige von der Wirtschaftskrise betroffen sind. Die Auswirkungen sind teilweise zeitverzögert und unterschiedlich stark ausgeprägt. Wir sind also immer noch in einer schwierigen Situation. Wenn die Wirtschaft schrumpft, dann geht auch der Bedarf an Arbeitskräften zurück. Es ist daher sehr wichtig, die Industrie in ihren Bemühungen zu unterstützen, Arbeitsplätze zu sichern und zu erhalten", so IV-Präsident Ing. Hubert Bertsch.

 

Das überarbeitete Kurzarbeitsmodell sei nach wie vor sehr bürokratisch und bringe im Vergleich zu unseren Nachbarn in Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz keine Wettbewerbsgleichheit. Zudem müsse das gewerkschaftliche Wunschkonzert ein Ende haben, betont Bertsch. Zusatzforderungen der Gewerkschaft (wie Behaltefristen, Verbote von Überstunden und Leiharbeit) würden Arbeitsplätze gefährden.

 

Da in jedem österreichischen Bundesland die Situation und die Problemstellung der Industrie eine andere sei, müsse die Entscheidungskompetenz der Sozialpartner auf Landesebene gestärkt werden. „Das Diktat aus Wien muss ein Ende haben. Wenn sich Betriebsrat, Mitarbeiter und Geschäftsführung einigen, dann ist das die höchste Form der Sozialpartnerschaft und gelebte Solidarität. Dann braucht es keine weiteren sozialpartnerschaftlichen Instanzen mehr für eine Lösungsfindung, dann wurde bereits sorgfältig gehandelt," so Bertsch.

 

Die nach wie vor gedämpfte Stimmung der Industriebetriebe müsse ernst genommen werden. Besonders in Hinblick auf die Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst müsse allen Beteiligten bewusst sein, dass der mögliche Spielraum sehr eingeschränkt sei. Überzogene Forderungen würden die Arbeitsplätze gefährden.

 

 

Die Umfragemethode:

 

Den Unternehmen werden vier Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, neutral, negativ und nicht zutreffend. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, und dann wird die konjunkturreagible „Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. An der Umfrage haben sich 50 Unternehmen mit 20.933 Beschäftigten beteiligt.

 

Bild v.l.n.r.: Mag. Michaela Wagner, GF IV Vorarlberg, Ing. Hubert Bertsch, Präsident IV Vorarlberg,

                    Mag. Michael Amann, GF Sparte Industrie der WK Vorarlberg

 

Foto: IV

                   

 








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