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[ 23.04.2009 ]

Vorarlberger Industrie: Konjunkturbarometer weiterhin auf Tiefstand.

Besonnenes Verhalten wird eingefordert: Zukunft nicht durch überzogene Forderungen bei Kurzarbeit und KV-Verhandlungen aufs Spiel setzen!

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und der Industriellenvereinigung Vorarlberg ist alles andere als erfreulich. Dennoch hoffen laut Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie, „manche unserer Mitglieder darauf, dass der Talboden bald erreicht wird und es dann ab Jahresende doch wieder leicht bergauf gehen könnte." Bis dahin ist aber ausschließlich nüchterner Realismus und Besonnenheit angesagt. Wichtige Parameter der Konjunktur, wie die derzeitige Geschäftslage, Auftragsbestand und Auslandsaufträge, befinden sich nach wie vor stark im Minus. Die Arbeitsmarktsituation ist auf Grund dessen anhaltend angespannt. „Durchhalten" lautet die Parole daher für Michael Amann, „gefragt sind ruhiges und besonnenes Verhalten aller Teile der Gesellschaft, um dieses Tal möglichst unbeschadet zu durchschreiten und zur Erholung der Situation beizutragen. Nicht gebrauchen kann die heimische Industrie zurzeit jedenfalls überzogene Forderungen bei Kurzarbeitsvereinbarungen und den laufenden KV-Verhandlungen, was jedoch auch angesichts der niedrigen Inflationsrate vom Tisch sein sollte."

 

Die globale Krise schlägt also auch auf die Vorarlberger Industrie durch, das kommt jedoch nicht überraschend. Der Geschäftsklimaindex*) ist immer noch weit im Minus, zeigt aber wieder leicht nach oben. Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer, der zum Durchhalten beitragen kann. Immerhin hat sich die Einschätzung der Geschäftslage in 6 Monaten gegenüber dem Vorquartal etwas verbessert. Der Saldo aus den Rückmeldungen mit „günstiger" (4%) und „ungünstiger" (21%) verbessert sich vom 4. Quartal 2008 zum 1. Quartal 2009 von damals -47% auf nun -17%. Das ist noch lange keine Erholung, bedeutet aber in der Konsequenz, dass „nur" mehr 21% der Unternehmen von einer in 6 Monaten schlechteren, zukünftigen Geschäftslage ausgehen, während 75% ein Gleichbleiben, wenn auch auf einem oft bescheideneren Niveau, prognostizieren. Die derzeitige Geschäftslage wird von 20% als gut, von 49% durchschnittlich und von 32% als schlecht angegeben. Die derzeitige Ertragssituation ist für 34% gut, für 39% der Befragten durchschnittlich, für 27% schlecht. Noch deutlicher zeigt sich die schwierige Lage in der Einschätzung der Ertragssituation in 6 Monaten. Sie wird nur von 1% der Unternehmen als besser, von 67% etwa gleichbleibend, von 32% als schlechter werdend beurteilt. Auch die Prognose der Beschäftigtenstände in 3 Monaten ist wenig erfreulich. Immerhin 58% der Industriebetriebe glauben, ihren Mitarbeiterstand halten zu können, 40% erwarten einen niedrigeren Stand und nur 2% denken an mehr Personal. Ein sehr durchwachsenes Bild zeigt die Umfrage für die Parameter derzeitiger Auftragsbestand (21% gut, 32% durchschnittlich, 47% schlecht) und Bestand an Auslandsaufträgen (19% gut, 31% durchschnittlich, 49% schlecht). Zudem wird sich der Druck auf die Verkaufspreise in 3 Monaten weiter stark erhöhen (2% steigend, 57% gleichbleibend, 41% sinkend). Die Produktionstätigkeit in 3 Monaten wird im Durchschnitt aller Branchen und aus Sicht der Befragten Unternehmen abnehmen (4% steigend, 63% gleichbleibend, 33% abnehmend).

 


Die Vorarlberger Maschinen- und Metallindustrie verzeichnet eine mäßige Geschäftslage. Sie wird von 24% als gut, 53% als durchschnittlich und 24% als schlecht angegeben. Durch die hohen Exportanteile liegen der derzeitige Auftragsbestand und die derzeitigen Auslandsaufträge (24% gut, 61% schlecht) gleichauf im Keller. Nicht verwunderlich ist daher auch der Ausblick auf die Produktionstätigkeit in 3 Monaten (3% steigend, 44% gleichbleibend, 53% abnehmend). 68% der Unternehmen hoffen, den Mitarbeiterstand in 3 Monaten halten zu können, 32% rechnen mit einer Reduktion.

 

Keine Aufhellung der Stimmung bringt die aktuelle Situation in der Vorarlberger Elektroindustrie. Die Geschäftslage ist durch die Talfahrt der internationalen Absatzmärkte düster (10% gut, 1% durchschnittlich, 88% schlecht). Exakt das gleiche Bild zeigen die Parameter Auftragsbestand und Auslandsaufträge. All das wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit auch auf den Beschäftigtenstand in 3 Monaten auswirken.

88% der Unternehmen rechnen trotz ihrer Anstrengungen Mitarbeiter zu halten mit einem Sinken des Personalstandes.

 

Ein wenig besser scheint derzeit die Entwicklung in der Vorarlberger Nahrungs- und Genussmittelindustrie zu sein. 41% berichten von einer guten, 59% von einer durchschnittlichen und keines der an der Umfrage beteiligten Unternehmen von einer aktuell schlechten Geschäftslage! Auf den Prozentpunkt genau das gleiche Ergebnis bringt die Frage nach dem derzeitigen Auftragsbestand. Der Ausblick auf die Produktionstätigkeit in 3 Monaten (95% gleichbleibend, 5% abnehmend) ist daher einigermaßen beruhigend, ebenso die derzeitige Ertragsituation (15% gut, 80% durchschnittlich, 5% schlecht). Sorgen bereiten allerdings die Geschäftslage in 6 Monaten (15% günstiger, 53% gleichbleibend, 32% ungünstiger) und die Ertragssituation in 6 Monaten (68% gleichbleibend, 32% schlechter). Bleibt zu hoffen, dass die Konsumnachfrage im In- und Ausland stabil bleibt.

 

 

Ein einheitliches und nach wie vor trübes Bild zeigen die Umfrageergebnisse in der Vorarlberger Textilindustrie. Die Geschäftlage wir von 53% der befragten Unternehmen durchschnittlich, von 47% schlecht beurteilt. Der Auftragsbestand ist für 80% durchschnittlich, für 20% schlecht.  Die Geschäftslage in 6 Monaten (5% günstiger, 52% gleichbleibend, 44% ungünstiger) und die Ertragssituation in 6 Monaten (2% besser, 52% gleich, 46% schlechter) lassen vorerst keine Trendwende erwarten.

 

Zur Umfragemethode: Bei der Konjunkturumfrage werden den Unternehmen - ähnlich wie beim deutschen IFO-Konjunkturklimaindex - drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral, negativ. Aus den Antworten werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien errechnet. Unter Vernachlässigung der neutralen Antworten wird aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten der konjunktursensible „Saldo" gebildet. An der Umfrage haben sich 51 Unternehmen mit 22.243 Beschäftigten beteiligt.

 

(*) Der Geschäftsklimaindex ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten.

 

 

  

 








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