|
[ 26.01.2009 ]
Vorarlberger Industrie: Konjunkturerholung voraussichtlich erst zum Jahresende.Die globale Krise trübt derzeit das Geschäftsklima in der heimischen Industrie spürbar.Das Konjunkturbarometer der Vorarlberger Industrie steht tief wie seit Jahren nicht mehr. Wichtige Parameter wie die derzeitige Geschäftslage, die Auftragsbestände und die Erwartungen für die kommenden 6 Monate sind überwiegend negativ. Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zum 4. Quartal 2008 zeigen laut DI Christoph Hinteregger, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer „sehr deutlich, dass sich die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise wie erwartet auch auf die Vorarlberger Industrie auswirkt. Wir müssen darauf besonnen und mutig agieren und vor allem an einem Strang ziehen. Wir zählen auf das Verständnis und die Flexibilität der Menschen in Vorarlberg und auf die Bereitschaft die kommenden Monate bis zur Erholung der globalen Märkte gemeinsam aktiv und positiv zu gestalten. Das gemeinsame Bemühen, schwierige Zeiten zu meistern, hat sich in Vorarlberg schon in der Vergangenheit immer wieder sehr bewährt und entspricht auch unserer Mentalität.“ Die von DI Hinteregger angesprochene Erholung zeigt sich als Lichtblick am Horizont, allerdings erst ab dem 4. Quartal 2009. An der Konjunkturumfrage, die quartalsweise gemeinsam von Industriellenvereinigung (IV) und Industriesparte der Wirtschaftskammer Vorarlberg erhoben wird, haben sich 47 Unternehmen mit insgesamt 21.004 Beschäftigten beteiligt. 16 Prozent der Befragten melden im 4. Quartal 2008 eine schlechte Geschäftslage, 70 Prozent eine gleichbleibende und nur 14 Prozent eine gute Geschäftslage. Dies entspricht einem Rückgang des Saldowertes um 17 Prozentpunkte von 16 im dritten Quartal auf aktuell -1. Noch pessimistischer ist die Prognose zur Geschäftslage in sechs Monaten: 53 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass die Geschäftslage auf dem aktuellen Niveau bleiben wird, 47 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung bis zur Jahresmitte. Der Auftragsbestand wird deutlich schlechter beurteilt als im letzten Quartal: Nur 13 Prozent der Betriebe bezeichnen ihn als gut, 46 Prozent als durchschnittlich und 41 Prozent als schlecht. Verständlichweise negativ ist die Entwicklung der Auslandsaufträge, wo sich der Saldo von +33 im dritten Quartal auf -22 im vierten Quartal 2008 verschlechtert hat: 39 Prozent der Industrieunternehmen berichten von einer schlechten Lage bei den Exportaufträgen, 42 Prozent von einem durchschnittlichen und nur 18 Prozent von einem guten Auftragsstand. Deutlich schlechter sind auch die Erwartungen in Bezug auf die Verkaufspreise in drei Monaten: 42 Prozent der Unternehmen glauben an fallende Preise, 56 Prozent rechnen damit, dass die Verkaufspreise gleich bleiben werden und nur 2 Prozent gehen von steigenden Preisen aus. Die derzeitige Ertragssituation wird nur mehr von 29 Prozent als gut, von 46 als durchschnittlich und 25 Prozent als schlecht bezeichnet. In sechs Monaten rechnen die Unternehmen zu 76 Prozent mit einer Ertragssituation auf dem derzeitigen Niveau. 24 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Auch in Bezug auf den Beschäftigtenstand in 3 Monaten trübt sich die Entwicklung ein: 56 Prozent der Vorarlberger Industrieunternehmen erwarten sich ein Gleichbleiben der Mitarbeiterzahlen. 41 rechnen eher mit fallenden Mitarbeiterzahlen, nur 3 Prozent sehen zusätzlichen Bedarf an Mitarbeitern.
Ziel in der absehbar schwierigen Lage ist für Hinteregger, möglichst viele Mitarbeiter auch bei fehlenden Aufträgen in den Betrieben zu halten. Dafür notwenig ist eine rasche Umsetzung der von BM Mitterlehner zugesagten Flexibilisierung der Kurzarbeit. Positiv sind auch die Signale der Gewerkschaften, nicht für Unternehmen unakzeptable „Zusatzforderungen“ für die Einführung von Kurzarbeit zu stellen, wie dies in der Vergangenheit leider immer wieder der Fall war. Maschinen-/ Metallindustrie „Durchwachsen erscheint die Situation der Maschinen- und Metallindustrie“, so Mag. Michaela Wagner, Geschäftsführerin der IV Vorarlberg. Es berichten zwar 65 Prozent der befragten Unternehmen von einer stabilen Geschäftslage im 4. Quartal 2008, nur 7 Prozent von einer schlechten und sogar 28 von einer guten Geschäftslage. Die derzeitigen Auftragsbestände weisen aber laut Michaela Wagner auf eine deutliche Eintrübung hin: Nur 26 Prozent der Unternehmen freuen sich über ein gutes Auftragsvolumen, 22 Prozent berichten über ein durchschnittliches Niveau, 52 Prozent der Befragten haben aber mit aktuell schlechten Auftragsbeständen zu kämpfen. Die Situation wird sich laut Prognose zur Produktionstätigkeit in 3 Monaten verschärfen: Kein einziger Betrieb kann derzeit auf kurzfristiges Wachstum hoffen, 88% der Unternehmen prognostizieren immerhin ein Halten der Produktionstätigkeit auf dem derzeitigen Stand, 12 Prozent glauben an ein Sinken. Den Beschäftigtenstand in 3 Monaten könnten 78 Prozent der Betriebe unverändert halten, 22 Prozent erwarten geringere Mitarbeiterzahlen. Ein ähnliches Bild zeigt die Vorschau auf die Ertragssituation in 6 Monaten. 85 Prozent der Betriebe glauben an Erträge auf einem ähnlichen Niveau wie derzeit, 15 Prozent an sinkende Erträge.
Nahrungs- und Genussmittelindustrie Nach einem noch sehr guten 4. Quartal und ausgehend von einem derzeit noch soliden Niveau in punkto Auftragsbestand und Auslandsaufträgen blickt die Nahrungs- und Genussmittelindustrie nachdenklich auf das kommende Halbjahr. 65 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verschlechterung der Geschäftslage in 6 Monaten, 35 Prozent prognostizieren eine unveränderte Geschäftslage. Die Ertragssituation in 6 Monaten wird für 35 Prozent der Unternehmen unverändert auf durchschnittlichem Niveau bleiben, 65 Prozent sehen sich mit sinkenden Erträgen konfrontiert. Der zu erwartende Rückgang der Produktionstätigkeit in 3 Monaten könnte sich auch auf den Beschäftigtenstand in 3 Monaten auswirken. Auch in diesen beiden Bereichen glauben 35 Prozent der Betriebe an ein Halten des derzeitigen Niveaus, während 65 Prozent einen Rückgang erwarten. Textilindustrie „Die Textilindustrie ist wie die gesamte Vorarlberger Industrie stark exportabhängig, die internationale Entwicklung schlägt natürlich auch hier spürbar durch“, stellt Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Industriesparte der Vorarlberger Wirtschaftskammer fest. Dies bestätigt der Saldowert in Bezug auf die Auslandsaufträge, der um 56 Prozentpunkte von +6 im Vorquartal auf -50 gesunken ist. 79 Prozent der Unternehmen berichten von einer derzeit durchschnittlichen und 21 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Exakt die gleichen Werte weist auch der derzeitige Auftragsbestand aus. Als Folge sinkender Auslandsaufträge erwarten 57 Prozent der Betriebe ein Sinken der Produktionstätigkeit in 3 Monaten, 43 Prozent glauben an ein unverändertes Niveau. Wenig befriedigend ist auch die derzeitige Ertragssituation. 49 Prozent der Befragten berichten von einem gleichbleibenden Level im Vergleich zum Vorquartal, 51 Prozent von einer aktuell schlechten Ertragslage. Ausgehend davon erscheint die Prognose zur Ertragssituation in 6 Monaten auch nicht gerade begeisternd. Es glauben aber immerhin 98 Prozent der Unternehmen, dass sich diese nicht noch weiter verschlechtert und 2 Prozent an eine Verbesserung. Der betreffende Saldowert ist sogar um 7 Prozentpunkte besser, als noch im 3. Quartal 2008. Elektroindustrie 43 Prozent der Unternehmen melden eine durchschnittliche Geschäftslage, 57 Prozent sind mit einer gegenwärtig schlechten Geschäftslage konfrontiert. Der momentane Auftragsbestand ist laut 80 Prozent der Befragten schlecht, bei 20 Prozent auf durchschnittlichem Niveau. Wie in den anderen Branchen sinken derzeit die Auslandsaufträge. Sie verzeichnen einen negativen Saldo von -78. Dementsprechend befürchten 93 Prozent der Unternehmen eine sinkende Produktionstätigkeit in 3 Monaten und 95 Prozent eine Verschlechterung der Geschäftslage in 6 Monaten. Der Beschäftigtenstand in 3 Monaten könnte bei 2 Prozent der Unternehmen steigen, bei 15 Prozent gleich bleiben, bei 83 Prozent sinken. Ein auf längere Sicht doch hoffnungsvolles Signal ist die Aussicht auf die Ertragssituation in 6 Monaten. Sie wird zwar laut Meinung von 25 Prozent der Unternehmen sinken, bei 75 Prozent aber immerhin gleich bleiben und damit Handlungsspielraum in der bis zum Jahresende erhofften Konjunkturerholung bieten. Vorraussetzung dafür ist aber wie in der gesamten Industrie ein besonnenes Agieren in den kommenden Monaten.
Zur Befragungsmethode: Bei der Konjunkturumfrage kommt – ähnlich wie beim bekannten deutschen IFO-Konjunkturklimaindex folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien. Dann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. [ IV ]
|
|